Region: Illertissen|Babenhausen

Wie in Neu-Ulm aus Besatzern Freunde wurden

Das Volksfest in den Wileys zog Amerikaner und Deutsche an.

30 Jahre Abzug des US-Militärs: Die Stadt Neu-Ulm erinnert mit einer Aktionswoche vom 25. bis zum 30. Juli an die Zeit der amerikanischen Besatzung in unserer Region.

In diesem Jahr jährt sich der Abzug des US-Militärs aus der Stadt Neu-Ulm zum 30. Mal. Anlässlich des Jubiläums plant das Stadtarchiv unter dem Motto „51 – 91 – 21“ eine Aktionswoche, in der sowohl digital, als auch mit Präsenzveranstaltungen die für die Stadt so besondere Zeit der amerikanischen Besatzung in den Fokus gerückt werden soll. Den Auftakt der Aktionswoche bildet eine Podiumsdiskussion in Kooperation mit den Volkshochschulen Ulm und Neu-Ulm am Sonntag, 25. Juli im Wiley-Club. Kostenlose Tickets sind im Rathaus NeuUlm erhältlich.

30 Jahre ist es nun schon her, dass der letzte amerikanische Standortkommandant in Neu-Ulm, John C. Heim, in einer bewegenden Zeremonie die Standortflagge unter den Nationalhymnen Deutschlands und der USA einrollte und damit die offizielle Dienstzeit der US-Armee in der Stadt beendete. 40 Jahre lang lebten zeitweise bis zu 9.000 amerikanische Soldaten und bis zu 2.000 Angehörige in Neu-Ulm. Diese Zeit hat die Stadt geprägt. Im Laufe der Jahre wurden aus Besatzern Freunde und es entwickelte sich ein besonderes Miteinander im Neu-Ulmer Lebensalltag. Amerika war in Neu-Ulm angekommen. Und mehr noch: Wie sich später herausstellte, war Amerika auch Teil der Neu-Ulmer Geschichte geworden.

Gute Erinnerungen

Heute erinnern sich die Bürger mit Freude an diese Zeit. Sie hat die Menschen, die Region und die Politik nachhaltig geprägt. So überrascht es nicht, dass auch der Abschied der Amerikaner im Jahr 1991 Spuren hinterlassen hat. Denn in den 40 Jahren der US-amerikanischen Stationierung etablierte sich in Neu-Ulm nicht nur der „American way of life“, es hatten sich vor allem auch unzählige Freundschaften gebildet und auch deutsch-amerikanische Ehen wurden geschlossen. „Die Stadt Neu-Ulm möchte dieser besonderen Zeit, die so prägend und auch aufregend war, in Form einer Aktionswoche Tribut zollen. Der aktuellen Lage geschuldet findet die Aktionswoche überwiegend digital statt. Das Stadtarchiv hat sich eine ganze Menge einfallen lassen und sogar die Nachkommen von Captain Robert Calvin 'Bob' Wiley, nach dem die Kasernenanlage entlang der Memminger Straße benannt war und der schlussendlich auch Namensgeber für das gesamte Stadtquartier ist, in Amerika ausfindig gemacht. Wir alle dürfen uns auf interessante Anekdoten und bisher unbekannte Überbleibsel aus 40 Jahren US-Militärgeschichte in Neu-Ulm freuen“, sagt Oberbürgermeisterin Katrin Albsteiger.

Das Herzstück der Aktionswoche ist die digitale Ausstellung „51 – 91 – 21“. Der Titel der Aktionswoche „51 – 91 – 21“ symbolisiert die Jahreszahlen 1951: Beginn der Belagerung der Stadt Neu-Ulm durch das US-Militär, 1991: Abzug des US-Militärs aus Neu-Ulm und 2021: 30. Jahrestag des Abzugs. Um diese so authentisch als möglich zu gestalten, hatte das Stadtarchiv in den vergangenen Monaten öffentlich nach Materialien gesucht, die an die Zeit der Amerikaner in Neu-Ulm erinnern. „Der Zuspruch der Bevölkerung war enorm und hat uns absolut überwältigt. Wir haben gut 50 Objekte und mehr als 150 Fotografien für unsere Ausstellung gewinnen können. Hinzu kommen noch unzählige persönliche Geschichten und Anekdoten“, schwärmt Larissa Ramscheid, die Leiterin des Neu-Ulmer Stadtarchivs. Die Ausstellung wird zu Beginn der Aktionswoche ab dem 25. Juli online über stadtgeschichte.neu-ulm.de abrufbar sein. Darüber hinaus wird es auch die gedruckte Broschüre „Besatzung, Lebensalltag, Freundschaft“ geben, die die Geschichte der US-Standorte in der Stadt erläutert. Die Broschüre liegt ab dem 26. Juli im Rathaus Neu-Ulm aus.

Aktionswoche

Sonntag, 25. Juli

20 Uhr: Podiumsdiskussion im Wiley-Club Neu-Ulm. Auf dem Podium sind Oberbürgermeisterin Katrin Albsteiger, Julia Kormann (Vizepräsidentin der Hochschule Neu-Ulm), Larissa Ramscheid (Leiterin des Stadtarchivs Neu-Ulm) und Jerry Aman (amerikanischer Zeitzeuge). Die Moderation übernehmen Carolin Gehring (Leiterin der Volkshochschule im Landkreis Neu-Ulm) und Christoph Hantel (Leiter der vh Ulm). Kostenfreie Eintrittskarten gibt es im Neu-Ulmer Rathaus (Zentrale).

Montag, 26. Juli

16.30 Uhr: Enthüllung von fünf neuen Stadtgeschichtsstelen mit zehn Informationstafeln zur Historie des Wiley von 1805 bis heute.

27. bis 30. Juli

Tägliche Veröffentlichungen und Beiträge rund um das Thema „US-Militär in Neu-Ulm“ auf den Social Media Kanälen der Stadt Neu-Ulm sowie der Homepage www.stadtgeschichte.neu-ulm.de. Unter anderem: Interessantes und Anekdoten zu der Zeit des US-Militärs in Neu-Ulm mit Larissa Ramscheid und Peter Liptau vom Neu-Ulmer Stadtarchiv, Historie und Fakten zum Namenspatron des Neu-Ulmer Wiley - Captain Robert Calvin 'Bob' Wiley und Vorstellung von originellen Erinnerungsstücken aus der Neu-Ulmer Bevölkerung.

Info

Beiträge und Fotos werden während der Aktionswoche auf dem städtischen Facebook-Kanal unter www.facebook.com/stadt.neuulm sowie dem städtischen Instagram-Kanal unter instagram.com/stadt.neuulm veröffentlicht. Darüber hinaus gibt es auch interessante Informationen unter stadtgeschichte.neu-ulm.de . (pm)

Weitere Bilder

Mehr zum Thema

Kommentare

Anmelden um Kommentare zu schreiben

 


X