Region: Augsburger Land

Hochtechnologie aus Neusäß für die Mobilität der Zukunft: Mobilitätssommer der JU bei Steinbacher Consult

StaZ-Reporter Ludwig Lenzgeiger aus Adelsried
Als StaZ-Reporter berichten Vereine, Organisationen und Privatpersonen. Jeder kann mitmachen.
Die Veranstaltung der JU Neusäß bei der Firma Steinbacher stieß auf reges Interesse.

Tausende Menschen, die mit dem Neun-Euro-Ticket nach Sylt fahren. Das Aus für Verbrenner bis 2030. Unterschlagene Tankrabatte. Ressourcenknappheit. Alarmierende klimatische Veränderungen. Aspekte, die nachdenklich, skeptisch und ratlos stimmen. Wie können und wollen wir uns in Zukunft fortbewegen? Wie kann ein nachhaltiger Umgang mit unseren Ressourcen im Hinblick auf Energieumwandlung gestaltet werden? Wie gestaltet sich Fortbewegung abseits großer gut vernetzter Metropolen? Und wie lässt sich die Infrastruktur der Zukunft stimmig und sinnvoll in unsere Umwelt integrieren? Diesem Fragenhorizont widmete sich die JU Neusäß im Rahmen ihrer Veranstaltungsreihe zu E-Mobilität.

Wer einmal durch das Augsburger Land gefahren ist, der hat einen Vorgeschmack darauf bekommen, wie Mobilität in Zukunft gestaltet werden kann. E-Ladestationen, die dem letzten George Lucas Film entsprungen sein könnten. Deren vielschichtige Funktionalität sich der Star Wars Schöpfer aber vermutlich nicht hätte erdenken können. Die pilzartigen Ladestationen in Zusmarshausen bilden Europas größte E-Tankstelle. Diese stammen allerdings nicht etwa aus dem fernen San Francisco, sondern aus dem 20km nahen Traditions-Innovations-Haus Steinbacher Consult in Neusäß.

Grund genug für die JU Neusäß im Rahmen des Mobilitätssommers gemeinsam mit der CSU Neusäß bei Bettina Steinbacher und Martin Veh von Steinbacher Consult anzuklopfen und sich über die Arbeit des Ingenieurbüros genauer zu informieren. Da Mobilität aber nicht bei der Ladestation aufhört und es zum Ansteuern von Ladestationen auch das entsprechende Vehikel braucht, wurden zwei weitere Experten für das Thema E-Mobilität geladen. Mit Florian Ziegler vom BMW-Autohaus Drexl & Ziegler aus Neusäß, bat die Junge Union einen Kenner von Tradition und Moderne im Autobau um seine Einschätzungen. Da solch ein Thema aber auch von politischer Bedeutung ist, sich bestimmt nicht lokal lösen lässt, unterstütze Hansjörg Durz als Bundestagsabgeordneter für das Augsburger Land und Experte für Digitales und Mobilität mit seinem Wissen aus der großen Politik die Veranstaltung.

Auf dem Firmengelände der Firma Steinbacher Consult fanden sich die Referenten, Vertreter von JU und CSU Neusäß sowie interessierte Bürgerinnen und Bürger zusammen, um mehr über die Mobilität der Zukunft zu erfahren und Ihre Fragen direkt an die Experten und Expertinnen zu richten.

Florian Ziegler erläutert zu Beginn ausführlich was hinter der neuen Antriebstechnologie steckt. Dass es sich dabei nicht nur um eine Batterie im Kofferraum handelt, die irgendwie mit dem Motor verbunden ist und dafür sorgt, dass sich das Fahrzeug fast geräuschlos fortbewegt. Besonders interessant waren dabei die technischen Erläuterungen zu E-Fuels. Können diese klimafreundlichen synthetischen Kraftstoffe doch gemäß der Position der Bundesregierung eine Brücke für

traditionelle Verbrenner in die Zukunft sein. „Generell sehen wir bei uns im Haus eine deutlich erhöhte Nachfrage nach E-Fahrzeugen. Trotz des Hypes um Tesla und einer vermuteten technischen Überlegenheit, sehen wir gerade in unserem Segment, dass viele Kunden und vor allem Firmenkunden, die Qualität der deutschen Ingenieurskunst schätzen.“, führt Florian Ziegler aus. Er fügt hinzu, dass gerade in ländlichen Gebieten, das eigene Auto nach wie vor einen sehr hohen Stellenwert genieße. Nicht zuletzt da es mit Flexibilität und Unabhängigkeit einhergehe. „Wenn ich mein Auto über das Wochenende hinweg längeren Ladephasen unterziehe, bin ich mit einer Reichweite von knapp 380km damit gut für die Woche gerüstet, ohne Sorge zu haben an der nächsten Kreuzung liegen zu bleiben. Dennoch ist eine funktionierende und flächendeckende Ladeinfrastruktur gerade für unsere Geschäftskunden essentiell und eines der größten Argumente für oder gegen den Kauf eines E-Autos.“ Er leitet damit ein zur Diskussion um die Ladeinfrastruktur.

Hier hat das Team um Frank Steinbacher, Bettina Steinbacher und Martin Veh ein Stück Pionierarbeit geleistet. Musste vor ein paar Jahren die Reise im E-Auto noch akribisch geplant werden und kamen die angesteuerten Ladestationen verlassenen und heruntergekommenen Rastplätzen gleich, so hat Steinbacher Consult diese mit ihrem E-Pilz direkt ins 21 Jahrhundert befördert. „Das Endprodukt sieht nicht nur ansprechend aus, sondern folgt dabei einem Planungsansatz, der die Bedürfnisse der verschiedenen Nutzergruppen in den Mittelpunkt stellt“, erläutert Martin Veh Leiter des Bereichs Sustainable Energy and Mobility bei Steinbacher Consult. Wir planen bei uns nicht nur Tankstellen für E-Fahrzeuge. Dennoch stand auch bei diesem Projekt die Orientierung an den Nutzer-Bedürfnissen im Fokus. Wir definieren dabei welche Parteien involviert sind und wie erreicht werden kann, dass sämtliche Interessen, die bei einer Ladestation aufeinandertreffen, gleichmäßig bedient werden können“, so Veh weiter. Beim E-Pilz folgt die Form also der Funktion und die wiederum den Nutzeransprüchen. „Wir ermöglichen mit dieser Ladestation sowohl den PKW als auch den Omnibus oder LKW zu laden. Die Größe oder Höhe des Fahrzeugs spielt dabei keine Rolle. Der E-Pilz ist mehr als eine simple Ladesäule. Wir schaffen mit dieser Ladestation einen Knotenpunkt, der in eine moderne Infrastruktur integriert wird. Wer sein E-Fahrzeug laden möchte, benötigt in naher Zukunft dafür vielleicht noch dreißig Minuten. Diese Zeit muss der Endverbraucher so angenehmen wie möglich gestalten können. Tanken muss attraktiv für den Verbraucher sein“, erklärt der Fachmann. Bettina Steinbacher ergänzt: „Dabei integrieren wir das Konzept in die Umwelt und haben die Möglichkeit geschaffen, auf dem Dach der Ladestation Begrünungen vorzunehmen. Sowohl in der Stadt als auch auf dem Land ist die Integration in das Umfeld ein Schlüsselfaktor für Akzeptanz und Annahme vor Ort und ein großer Beitrag zur Nachhaltigkeit unserer Projekte.“

Der Ausbau der Ladeinfrastruktur ist essentiell. „Wir müssen uns bewusst machen, dass Mobilitätskonzepte der Zukunft keine Massenabfertigung sind, sondern gezielt auf die unterschiedlichen Nutzeranforderungen eingehen müssen. Gerade Unterschiede zwischen den Generationen, Lebensweisen und Wohnorten stehen hier deutlich im Fokus“, betont Bettina Steinbacher.

Hansjörg Durz begrüßt die große Expertise und Innovationskraft aus Neusäß. „Es ist wichtig, dass wir wagen neue Wege zu gehen und uns dabei auf die Säulen langjähriger Erfahrungen, Forschung und Entwicklung stützen können. Das schafft Vertrauen und verdeutlicht, dass die Entscheidung und der Einsatz für den Klimaschutz vor Ort beginnt.“

Die Diskussion um die Förderung von E-Autos ab 2023 ist aktuell in vollem Gange, umso relevanter die Frage, wie können wir Mobilität groß gedacht werden kann? Welche Konzepte lassen sich umsetzen? Brauchen wir in Zukunft noch ein privates Auto? Bewegen sich Fahrzeuge autonom und organisieren sich über Plattformen selbst? Wer stellt die Infrastruktur bereit? Und wer finanziert diese Projekte am Ende?

„Ein Mobilitätskonzept wird perspektivisch nicht auf ein Fortbewegungsmittel oder eine Antriebstechnologie allein setzen können. Vielmehr nehmen wir an, dass Sharing-Konzepte und Mikromobilitätslösungen für den Individualverkehr genauso relevant sein werden wie autonom betriebene Fahrzeuge und der private PKW“, so der stellvertretende Ortsvorsitzende der JU Neusäß, Alexander Bauer.

Florian Christl von der JU Neusäß zieht ein Resümee: „Mit unserem Mobilitätssommer möchten wir uns vor allem Lösungen ansehen, die für Neusäß sinnhaft sind und dabei den Blick fürs Große Ganze nicht verlieren. Mit Drexl & Ziegler und der Firma Steinbacher Consult haben wir hier in Neusäß großes Glück und die Möglichkeit auf einen großen Erfahrungs- und Wissensschatz zuzugreifen, um Mobilität für den Einzelnen und die Gesamtheit attraktiv und nachhaltig zu gestalten.“

Der Mobilitätssommer stellt eine Explorationsphase der Jungen Union Neusäß dar und soll perspektivisch in konkrete Handlungsempfehlungen für die Stadt Neusäß münden.

Jörg Röhring von der CSU fügt hinzu, dass man sich nun zusammen mit der Firma Steinbacher Consult Gedanken für Projekte in Neusäß machen möchte, um den Ausbau von Elektro-Mobilität voranzutreiben. „Wir werden uns gemeinsam sinnvolle Ansatzpunkte überlegen. Interessante Pilotprojekte gibt es bereits in ganz Bayern, nun müssen wir nur noch das richtige Ansatzpunkte und den passenden Rahmen finden.“ Den direkten Draht nach Berlin hat die Stadt mit Hansjörg Durz.

Florian Christl ergänzt „Wir sehen eine einmalige Chance für die Stadt Neusäß und die junge Generation. Herr Veh sucht händeringend nach qualifizierten Fachkräften für die innovative Arbeit seines Teams. Wir rufen all unsere Mitbürger aber vor allem die jüngere Generation dazu auf sich in diese so zukunftsträchtige Richtung zu orientieren und Ihre Ideen einzubringen.“

Weitere Bilder

Kommentare

Anmelden um Kommentare zu schreiben
 


X