Region: Augsburger Land

Feuerwehrzufahrt kontra Stadtgrün

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StaZ-Reporter Hannes Grönninger aus Neusäß
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Ausgerechnet der schönste Vorgarten ist der Feuerwehr im Weg. BUND und Anwohnerin fordern Neuplanung.

Wer kennt sie nicht, die Sailer Blöcke in Neusäß in der Beethovenstraße „Mitten im Schönen“

In den 50 Jahren seit ihrem Bestehen haben eine Vielzahl von Mieterinnen und Mietern in dieser Eigentumswohnanlage eine Bleibe gefunden und die Eigentümer der Erdgeschoßwohnungen haben zum großen Teil ihre Terrassen liebevoll eingegrünt.
So auch Georgine Miehle-Zesch, die sich ein kleines Paradies vor ihrer Terrasse geschaffen hat. Nun ist aber ausgerechnet dieses Biotop für Mensch und Tier zum Zankapfel der Hausverwaltung mit der Wohnungseigentümerin geworden. Aus Unkenntnis der besonderen Situation der Rollstuhlfahrerin, die seit vielen Jahren einen behindertengerechten Zugang über den Grünstreifen vor dem Haus zu ihrem Terrasseneingang hat und damit einen barrierefreien Zugang zu dem von der  Stadt Neusäß extra markierten Behindertenparkplatz.

Ausgerechnet hier soll nun die Aufstellfläche für die Drehleiter der Feuerwehren gebaut werden. Es wurden bereits zahlreiche Bäume dafür entfernt und Alternativen, die einen schonenden Umgang mit der vorhandenen Begrünung einforderten, verworfen.

Ganz offensichtlich hatte das planende Büro die örtlichen Gegebenheiten nicht genau erkundet, denn sonst wäre ihm auch nicht verborgen geblieben, dass genau dort, wo das üppige Grün und die barrierefreie Zuwegung zur behindertengerechten Wohnung ist, auch der Erdtank für die Ölversorgung unter der Erde liegt. Dieser Tank könnte eine umfangreiche, teure Tiefbaumaßnahme erforderlich machen.

So jedenfalls sieht es die Vorstandschaft der BUND Naturschutz-Ortsgruppe Neusäß Aystetten, die von einer Vielzahl an Sympathisanten der stadtbekannten „Neusässerin im Rollstuhl“ zu Hilfe gerufen wurden. Eine Zerstörung des Biotops und des barrierefreien Zugangs muss in jedem Fall verhindert werden, sagt auch Annegret Lamey, die ebenfalls an den Rollstuhl gebunden ist und als ehemalige Landesbeauftragte für Naturschutz Mensch und Umwelt im Blick hat.

Leider werden Öffentlichkeit, Stadträte und die Träger öffentlicher Belange wie BUND Naturschutz und in diesem Fall Behindertenverbände immer erst „eingeschaltet, wenn die Bagger bereits rollen, Bäume schon zu Brennholz verarbeitet sind und die „normalen Wege der Kommunikation“ vermint sind. So auch hier, wo es für die Hausverwaltung, das planende Büro und die Wohnungs- und Anteilseigentümerin der Wohnanlage keine vernünftige Lösung mehr zu geben scheint.

Die Vorstandschaft des BUND Naturschutzes fordert in ihrem Schreiben nun die Stadt Neusäß und das Landratsamt auf, einen Baustopp zu verhängen und Alternativen zur größtmöglichen Schonung von menschlichen Bedürfnissen sowie für den Erhalt des innerörtlichen Grüns zu sorgen.

Kommentare

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Beitrag von StaZ-Reporter: Profilbild von Hannes GrönningerHannes Grönninger
20. November 2022 - 20:28

Die Hausverwaltung war wohl nicht zu bremsen

 


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