Region: Augsburger Land

Neusässer Mosterei nimmt Betrieb auf

Freie Mitarbeiterin Jutta Kaiser aus Neusäß

Sabine Witty aus Biburg war eine der Ersten, die ihre Äpfel zum Pressen brachte.

Der Gartenbauverein Mittleres Schmuttertal startete in die Mostsaison.

Noch sind die Kunden an diesem regnerischen, kühlen Samstagmorgen überschaubar. Dies sei aber, wie Kassenwart Günter Baier vom Gartenbauverein Mittleres Schmuttertal erklärt, der an diesem Tag zusammen mit Peter Hackl und Alexander Zöpf in der Mosterei am Eichenwald vor Ort ist, nicht allein dem Wetter geschuldet. „Wir hatten heuer ein relativ schlechtes Jahr und die Obsternte ist ziemlich spärlich“.

Neben allen möglichen Apfel- und Birnensorten werden in der Mosterei am Eichenwald auch Quitten und Trauben verarbeitet. Da Trauben schwieriger zu pressen sind, müssen sie einen Tag früher gebracht werden. Der optimale Zeitpunkt für Ernte und Verarbeitung ist dann, wenn das Obst reif ist. Reife Äpfel erkennt man an braunen Kernen und daran, dass sich der Stiel leicht vom Ast löst. Angefaultes Obst ist nicht für die Verarbeitung geeignet.

An diesem ersten Mosttag geht es ziemlich mager los. „Wir mussten sogar die Maschinen zwischendurch schon stoppen“, berichtet Günter Baier, der wesentlich größeren Andrang gewöhnt ist. An normalen Samstagen ist die Mosterei von 8 bis 10 Uhr geöffnet. Aber auch wenn viele Kunden kommen, alle kommen dran, egal wie lange es dauert, versichert Baier.

Dass heuer ein schlechtes Obstjahr ist, bestätigt auch Sabine Witty, die aus Biburg mit drei großen Eimern Äpfel in die Neusässer Mosterei gekommen ist. „Es sind leider nur wenig Äpfel“, bedauert sie und erwartet, letztendlich 15 Liter an Apfelsaft aus dem eigenen Garten mit nach Hause zu nehmen.

Beim Pressvorgang wird in Neusäß der Saft nicht abgekocht, wie es viele andere Mostereien machen. Dies kann jeder zuhause selber tun. Doch zunächst wird das Obst auf die Waage gestellt, dann im Waschbehälter gründlich gereinigt, schließlich zerkleinert und der Fruchtbrei ausgepresst. Für den Transport des rohen Safts müssen die Kunden Transportgefäße in der Größenordnung des angelieferten Obsts mitbringen. Leihgefäße gibt es wegen Corona auch in diesem Jahr nicht.

Ein Leckerbissen für Rehe und Wildschweine

Wie Baier erklärt, beträgt die Saftausbeute etwa 50 bis 70 Prozent der angelieferten Äpfel, der Rest ist Treber. Doch selbst darüber freuen sich ganz besondere Feinschmecker. Im Winter ist dieser für Rehe, Wildschweine und Damwild eine Leckerei, die Landwirte und Förster gerne in der Mosterei abholen. Weniger Freude an dem klebrigen Abfall haben allerdings die diensthabenden Vereinsmitglieder, die nach Schließung der Mosterei die Maschinen zwei bis zweieinhalb Stunden putzen müssen. „Der Treber hängt sich in jede Ritze und alles muss lebensmittelgerecht gesäubert sein“, erklärt Baier.

Insgesamt 15 Mitglieder des Gartenbauvereins Mittleres Schmuttertal sind bis zum 30. Oktober abwechselnd in der Mosterei am Eichenwald vor Ort.

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