Region: Augsburger Land

Spaziergang für den Umweltschutz: So räumt Neusäß auf

Freie Mitarbeiterin Jutta Kaiser aus Neusäß
Der achtlos in die Natur geworfene Unrat entlang ihrer Spazierstrecken ist für die beiden Neusässerinnen Henriette Pittius-Stuhler (links) und Angela Zügel stets ein Dorn im Auge.

Plogging, Palking oder Pliking, wie man es auch immer nennen mag, alle Sportvarianten sorgen für Bewegung an der frischen Luft und dienen gleichzeitig dem Umweltschutz.

Wenn sie in Landschaft und Grünflächen entsorgten Unrat bei ihren Spaziergängen sieht, dann wird die Neusässerin Angela Zügel richtig zornig. Da sie als Physiotherapeutin allerdings beruflich eingespannt ist, fehlt ihr die Zeit, um so Abhilfe zu schaffen, wie sie es gerne möchte. Aber: Sobald sie mit ihrer Freundin spazieren geht, haben beide eine Tüte dabei und sammeln an Müll ein, was möglich ist. „Ploggen“ nenne man diese neue Art des Umweltschutzes, erklärt sie.

Unter dem Begriff „Plogging“ hat sich sogar bereits eine Sportart entwickelt, bei der Menschen mit Müllbeuteln und Handschuhen ausgestattet zum Joggen gehen und nebenbei den achtlos in die Natur geworfenen Abfall einsammeln und hinterher ordnungsgemäß entsorgen. Angela Zügel und ihre Freundin Henriette Pittius-Stuhler tun dies seit geraumer Zeit während ihrer ausgedehnten Spaziergänge und sammeln entlang der Strecken Abfall in Müllsäcke.

Dem Trend haben sich schon viele Leute angeschlossen. In gemeinsamen Aktionen, wie in Neusäß etwa schon am Bismarckturm geschehen, wird dem Müll zu Leibe gerückt. Gerade am Bismarckturm nimmt der Unrat oft überhand, weiß Zügel und berichtet von Krachern noch von Silvester. „Es ist eine Katastrophe, was alles an Müll hervorkommt, wenn der Landwirt dort oben im Frühjahr pflügt“, weiß sie. Wütend wird sie auch, wenn sie sieht, wie an den Flaschencontainern einfach jeglicher Unrat dazu gestellt wird – wohlgemerkt widerrechtlich.

Die Stadt Neusäß gibt sich freilich Mühe, um der Stadt mit Blumenanpflanzungen ein freundliches Gesicht zu geben. Erst kürzlich wurde mit der Aktion „Frühlingserwachen“ ein Zeichen gesetzt. Doch das ist Zügel nicht genug, sie wünscht sich von der Stadt mehr Aktionen, um dem Müll besser Herr zu werden und stellt sich einen Aufruf zu gemeinsamen Müllsammelaktionen von Schulklassen oder Bürgergruppen vor.

Bürgermeister Richard Greiner stellt dazu fest, dass sich immer mehr Bürger an ihn zu diesem Thema gewandt haben. „Es ist allgemein zu beobachten, dass Vermüllung und Vandalismus zunehmen“, erklärt er. Der Bauhof sei hier sehr aktiv und arbeite die verschiedenen Stellen mittels eigener Touren und Arbeitsprogrammen systematisch ab. Früher einmal pro Woche, jetzt täglich würden die Wertstoffinseln abgefahren und dort aufgeräumt, da die Erscheinungen zu genommen haben.

Auch hinsichtlich von Vandalismus habe es bereits mit Bürgern eine Reihe von Gesprächen gegeben, so Greiner. Betroffen war etwa kürzlich auch der neue Bienenpark.

Aktionen, wie nun von Zügel angeregt, habe es vor längerer Zeit bereits gegeben, wie etwa eine Waldsauberaktion im Lohwald und im Kobelwald. Die Bereitschaft dazu sei aber zurück gegangen und letztendlich eingeschlafen. Eine Schule in Neusäß hat vor einem Monat ihren Wandertag geopfert und soweit es die Pandemie zugelassen hat, auf diesem Weg die Umwelt unterstützt. Für Tipps aus der Bevölkerung zu besonders vermüllten Wegen oder Ecken in der Stadt, sei man dankbar und gebe diese an den Bauhof weiter.

Greiner sieht es als positives Zeichen, wenn Bürger ihre Freizeit opfern und ihren Beitrag leisten. Er nimmt den Aufruf von Angela Zügel zum Anlass, an die Neusässer Bürger zu appellieren, auf ihre Umwelt aufzupassen und ihren Teil beizutragen, damit möglichst viele Gebiete von Müll befreit werden. (jkw)

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