Region: Augsburger Land

Bahnausbau Ulm-Augsburg: Diedorf und Neusäß fürchten Auswirkungen

Freie Mitarbeiterin Jutta Kaiser aus Neusäß
Beim Ausbau der Bestandsstrecke Ulm – Augsburg durch Neusäß und Diedorf müssten einige Häuser wegfallen.

Der neue Planungsstand beschäftigt die betroffenen Kommunen. In Neusäß und Diedorf müssten beim Ausbau der Bestandsstrecke Häuser wegfallen.

Seit kurzem stehen vier mögliche Trassen für den Bahnausbau Ulm – Augsburg fest. Ohne Nachteil ist keine der vorgeschlagenen Strecken, seien es große Brücken bei Zusmarshausen, eine Verkehrsschneise durch das Rothtal oder zwei weitere Gleise entlang der Bestandsstrecke. Massiv betroffen wären die Stadt Neusäß und die Marktgemeinde Diedorf. Für zwei weitere Gleise an der Bestandsstrecke müssten im Zweifel in den beiden Kommunen Häuser weichen.

Der benötigte Lärmschutz in Diedorf ist noch ungeklärt

Die Vorschläge der Deutschen Bahn erfahren im Moment in Diedorf laut Bürgermeister Peter Högg wenig Zustimmung. Nach einem Zusammentreffen des Arbeitskreises Verkehr der Marktgemeinde mit einigen Gemeinderäten und dem Bundestagsabgeordneten Hansjörg Durz waren sich in Diedorf alle einig, dass der Bahnausbau so keinesfalls gemacht werden könne. Der Wunsch nach einem dritten Gleis und einer Verbesserung der Zugverbindungen Diedorf – Augsburg – München sei zwar in aller Interesse, auch eine Beschleunigung der Zugstrecke von Augsburg nach Ulm im Zuge des Deutschlandtakts mache Sinn. Die aktuelle Planung mit den vier vorgestellten Trassen passe aber nicht. Nach Meinung des Fraktionsvorsitzenden der CSU Diedorf Horst Heinrich eignet sich keine der vier Trassen für eine Umsetzung. Die beiden durch Diedorf gehenden Vorschläge seien schon gar nicht akzeptabel. Statt der bisher geplanten Trasse entlang der Bestandsstrecke in Diedorf wird hier aktuell mit vier vollen und durchgängigen Bahngleisen geplant und damit mit zwei weiteren kompletten Schienensträngen. 80 Prozent der Güterzüge würden voraussichtlich auf den bisherigen Gleisen des Nahverkehrs bleiben und Schnellzüge wie der TGV würden mit bis zu 300 Stundenkilometer durch den Ort donnern. Der benötigte Lärmschutz ist noch ungeklärt. Möglicherweise würde die Bestandsstrecke gar keinen erhalten, wird in Diedorf befürchtet. Dazu soll es keinen, wie ursprünglich angedacht, barrierefreien Ausbau des Bahnhofes geben. Das alles passt den Diedorfern nicht. Horst Heinrich ist der Ansicht, dass die Bahn hier dringend nacharbeiten muss.

Eine Neubewertung ist erforderlich

Dringend notwendige Verbesserungen für die Stadt, vor allem barrierefreie Bahnhöfe und Lärmschutz, ergeben sich nach heutigem Stand für Neusäß nur, wenn die Bestandsstrecke umgebaut wird. Somit ist es im Augenblick dem Grunde nach richtig, an der Forderung nach dem Bestandsausbau und der entsprechenden Resolution des Kreistags und des Stadtrats Neusäß noch festzuhalten, ist aus Neusäß zu erfahren. Neu ist für die Stadt allerdings, dass beim Ausbau der Bestandsstrecke durch Neusäß und den Ortsteil Westheim Häuser und wichtiger Grund wegfallen könnten. Dies erfordert eine Neubewertung. Für die Stadt ist entscheidend, dass im Zuge des Bahnprojekts Ulm – Augsburg keine beziehungsweise so wenig wie möglich Eingriffe in Privatgrundstücke vorgenommen werden. Wo genau und wie viele Gebäude abgehen müssten, will die Stadt mit der Bahn nochmals abklären. „Für mich gilt auf jeden Fall: Oberste Priorität bei dem Projekt vor allen anderen Schutzgütern hat der Schutz der Menschen. Die jetzt auf dem Tisch liegende Planung für die violette beziehungsweise blau-grüne Trasse ist in dieser Form daher nicht akzeptabel. Sollte es dabei bleiben, müssen wir uns einen ,Schwenk' auf die Neubauvariante(n) entlang der A8 vorbehalten“, so der Erste Bürgermeister der Stadt Neusäß Richard Greiner.

Zunächst aber bewertet es die Stadt positiv, dass dieses Jahrhundertprojekt im Bundesverkehrswegeplan verankert ist, der Bund die finanziellen Mittel bereit hält, jetzt noch vier Trassenentwürfe existieren, die in die vertiefte Planung gehen und der Aus- oder Neubau von Ulm – Augsburg damit in die entscheidende Phase kommt.

Das Planungsteam der Bahn hat den Auftrag, die vorliegenden vier „Grobtrassierungen“ vertieft durchzuplanen. „Wir brauchen deshalb Geduld, bis noch konkretere Planungen vorliegen. Dann erst wird man genaue Informationen über die Auswirkungen, die guten wie schlechten, der jeweiligen Variante haben. Den Arbeitsprozess bis dahin werden wir gemeinsam sehr aufmerksam begleiten“, so Greiner.

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