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Ein ganz neuer Streckenabschnitt: Motorradprofi Stefan Bradl erwartet erstmals Nachwuchs

Blick in ein aufregendes Jahr: Motorradprofi Stefan Bradl könnte nicht nur ein weiteres Mal für Marc Marquez einspringen – der Zahlinger und seine Freundin Jana warten auf die Geburt ihrer Tochter.

Stefan Bradl steht an der Startlinie. Bereit für den Moment, in dem die roten Ampeln ausgehen. Und das kann jederzeit so weit sein. Dann beginnt für den Motorradprofi eine Art Nervenkitzel, wie er ihn aus keinem seiner vielen Hochgeschwindigkeitsrennen kennt. Der 32-Jährige wird Vater.

Er und seine Freundin Jana erwarten eine Tochter. „Eine sehr tolle und spannende Zeit, in der man ganz neue Dinge kennenlernt“, beschreibt Bradl, der sich vor allem über eines freut: „Es ist wirklich perfektes Timing.“ Der Testfahrer des Moto-GP-Teams von Honda Repsol hat gerade Winterpause. Seit kurz vor Weihnachten ist er daheim in Zahling, wo die Familie gebaut hat. Bradl genießt diese Tage zu Hause. „Zeit mit der Family verbringen, ein paar Freunde da haben. Alles ganz gechillt“, schildert er. Schließlich liegt ein anstrengendes, ein aufregendes Jahr hinter dem Motorsportler. Fünfmal kam er in der Motorrad-Eliteklasse Moto GP zum Einsatz – zunächst bei den zwei Auftaktrennen in Doha als Ersatzfahrer für Hondas verletzte Nummer eins Marc Marquez, dann per Wildcard. Dazu absolvierte er zahlreiche Testfahrten, kommentierte als Experte beim österreichischen Sender Servus TV und sammelte nebenbei fleißig Vielfliegerpunkte.

Im März beginnt die neue Moto-GP-Saison

„Definitiv zufrieden“ sei er mit dem zurückliegenden Jahr, zieht Bradl Bilanz: „Ich kann nichts Schlechtes über 2021 sagen.“ Zumal seine berufliche Zukunft vorzeitig geklärt ist. Er hat sein Arbeitspapier mit Honda verlängert, wird auch 2022 und 2023 als Testfahrer für den japanischen Hersteller über den Asphalt rasen. „Die Zusammenarbeit funktioniert tadellos“, sagt Bradl. Alles sei „sehr relaxt und entspannt“.

Also irgendwie ähnlich zu den Tagen daheim. Wenngleich der 32-Jährige einräumt, dass es ernährungstechnisch vielleicht etwas zu relaxt und entspannt zuging: „Ich habe über Weihnachten zu viel gegessen. Jetzt heißt es, aufpassen“, tadelt er sich und lacht. Aber Bradl wird’s verkraften, schließlich „ist täglich Sport angesagt“. Fitness und Ausdauer stehen mit Blick auf die kommende Saison selbstredend ganz oben auf dem Trainingsplan. Seinen sportlichen Ausgleich findet Bradl aber auf dem Court: „Ich versuche, mein Tennis zu verbessern.“ Außerdem gönnte er sich im Dezember zwei Tage auf der Piste: „Ich kann sagen, dass ich ein ganz guter Skifahrer bin. Wir hatten super Wetter. Das haben wir Vollgas ausgenutzt – es war purer Genuss. Jetzt ist mein Ski-Hunger fürs Erste gestillt.“

Auch wenn dem werdenden Vater vermutlich die eine oder andere schlaflose Nacht bevorsteht: Bradl wird auf den Punkt fit sein, wenn er am 25. Januar in den Flieger steigt. In Spanien stehen die ersten Testfahrten an, die nächsten unmittelbar danach in Malaysia. Am 4. und 6. März beginnt in Doha die neue Moto-GP-Saison. „Und jetzt kommt sicher die Frage, was die Nummer eins macht“, wirft Bradl lachend ein.

Denn einmal mehr ist der spanische Ausnahmefahrer verletzt, einmal mehr sein Einsatz zum Saisonauftakt fraglich und einmal mehr der gebürtige Augsburger der designierte Ersatz. „Er ist auf dem Weg der Besserung“, sagt Bradl. Viel mehr könne er nicht sagen, denn Marquez’ Verletzung sei eine „diffizile Angelegenheit“. Der achtmalige Weltmeister leidet seit einem Trainingssturz im Gelände Anfang November an einer Sehstörung. Einmal mehr kann also für Bradl sehr kurzfristig ein Einsatz anstehen. „Für mich ist das nichts Neues, ich halte mich bereit“, kommentiert er und schiebt hinterher: „Ich weiß, wie ich fahren muss. Ich weiß, wie ich damit umgehe. Ich bin froh, wenn ich starten darf, freue mich aber auch für Marc, wenn er rechtzeitig fit ist.“

Stammfahrer? „Wäre Träumerei“

Bradl ist lange genug dabei, um das alles einordnen zu können; 2021 jährte sich sein Weltmeistertitel in der Moto 2 zum zehnten Mal. Die Möglichkeit, noch einmal als Stammfahrer anzutreten, bezeichnet er mittlerweile als „Träumerei“, als „eine Situation, die sich nicht mehr ergeben“ werde.

„Ich bin jetzt 32, die junge Generation drückt nach“, fasst Bradl die Lage zusammen. Gleichzeitig sagt er: „Ich habe aber immer noch den Speed und werde vereinzelt Rennen fahren. Ich bin mit beiden Füßen drin im Business und verdiene mein Geld mit dem, was ich gerne mache.“ Neben seinem Job als Testpilot steht der Zahlinger weiter für Servus TV vor der Kamera. In der kommenden Saison sind Wildcardeinsätze im Mai in Jerez und im September in Misano fest eingeplant, ganz unabhängig von Marquez.

Bradl will auch dann wieder in die Punkte fahren; das ist sein Anspruch. Er freut sich schon auf die Anspannung und den Nervenkitzel der Rennen. Den ersten Adrenalinstoß des Jahres wird dem 32-Jährigen allerdings ein anderes Ereignis versetzen. Nicht auf der Maschine, sondern im Kreißsaal. Es kann jeden Moment so weit sein. (lib)

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