Region: Augsburg Stadt

Kultur-Wahlkampf: Augsburgs OB-Kandidaten treten im Martini-Park gegeneinander an

Im Staatstheater im Martini-Park haben sich Vertreter der Augsburger Parteien den Fragen der Kulturschaffenden gestellt.

Augsburger Parteien stellen vor, wie sie die Augsburger Kulturlandschaft entwickeln wollen

In der Woche vor der Kommunalwahl haben sich die Oberbürgermeister-Kandidaten und Vertreter der Parteien den Fragen der Augsburger Kulturschaffenden gestellt. In der Interim-Spielstätte des Staatstheaters im Martini-Park hatten die Kandidaten zuvor jeweils drei Minuten Zeit, um den Gästen zu erläutern, "warum wir als Kulturschaffende Sie eigentlich wählen sollen", so Susanne Thoma, Vorsitzende der "Ständigen Konferenz der Kulturschaffenden", die die Wahlkampf-Veranstaltung organisierte. Dabei stellten die Kandidaten heraus, welchen Fokus sie nach der Wahl im kulturellen Bereich setzen.

Vor Ort waren am Dienstag Vertreter der CSU, SPD, der Grünen, der Linken und der Freien Wähler, sowie der kleineren Parteien beziehungsweise Vereine Polit-WG/Demokratie in Bewegung, Augsburg in Bürgerhand, Generation AUX und Die Partei. Die Reihenfolge entschied das Los. Den Start machte schließlich Rebecca Lindner von der Linken.

Sie bewirbt sich auf dem dritten Listenplatz für den Augsburger Stadtrat und saß selbst bereits im Kulturbeirat. "Kultur macht das Leben erst lebenswert und erlaubt soziale Teilhabe", sagte Lindner. Konkrete Forderungen ihrer Partei beinhalten bezahlbare Schaffensräume für Künstler, mehr kulturelle Bildung in den Schulen und die Schaffung von Stadtteil-Kulturzentren. Außerdem solle die städtische Kultur einen größeren Etat erhalten und Bürokratie abgebaut werden, die es Veranstaltern erschwert, Projekte umzusetzen.

Stadt solle ehemaliges Gelände der Augusta-Brauerei kaufen

Lisa McQueen, OB-Kandidatin der Partei, kritisierte, dass die Stadt es bislang nicht schaffe, Räume zu schaffen, die für die Kulturschaffenden wirklich attraktiv seien. Man brauche mehr Platz, zum Beispiel für Ateliers oder Bandprobenräume, auch in der Innenstadt. Sie kritisierte besonders die Strategie der Stadt, das Gaswerk als Kulturzentrum zu etablieren, ohne Experten in die Planung einzubinden, "die wissen, was die Leute zieht".

"Ich glaube nicht, dass das Gaswerk, wenn es so weitergeht, zu einem attraktiven Ort für die Kulturszene wird", so McQueen. "Also ich würde da nicht raus wollen." Zwar sei das Projekt durchaus noch zu retten, schätzte sie auf Nachfrage ein, schlug als Alternative allerdings vor, das ehemalige Gelände der Augusta-Brauerei zu kaufen, auf dem sich ohnehin bereits viele Kulturschaffende angesiedelt hätten.

Bruno Marcon, der als OB-Kandidat an der Spitze der Bürgervereinigung "Augsburg in Bürgerhand" steht, will sich auch im Bereich Kultur für mehr direkte Mitbestimmung einsetzen. Er wünscht sich etwa, dass der Kulturbeirat, "der ja aus Experten besteht", Vorschläge direkt zur Abstimmung im Stadtrat einreichen kann. Außerdem dürfe man sich nicht nur auf eine Hochkultur konzentrieren, "zu der der Großteil der Bevölkerung keinen Zutritt hat". Stattdessen müsse die Stadt überlegen, wie man Kultur in den Alltag der Menschen bringen könne und ein entsprechendes Kulturentwicklungskonzept erstellen.

Brecht auf dem Plärrer?

Dirk Wurm (SPD) ist es wichtig, dass alle "unabhängig von ihrem sozialen Status Kultur erleben können". Einen besonderen Fokus legte er auf die Erinnerungskultur. Man müsse das historische Erbe der Stadt gut abbilden. Außerdem solle die Kultur mehr in den öffentlichen Raum auch in die Stadtteile gebracht werden. "Warum nicht mal Brecht auf einem Stadtteilplatz und auf dem Plärrer?", schlug Wurm vor.

Raphael Brandmiller steht auf Listenplatz 1 des Vereins "Generation AUX", der ausdrücklich ohne Wahlprogramm antritt. Stattdessen wolle man sich auf konkrete Projekte konzentrieren, so auch im Bereich der Kultur. Unter anderem will der Verein sich dafür einsetzen, dass die Freilichtbühne für Veranstaltungen außerhalb des Staatstheaters geöffnet wird. Außerdem soll eine Leerstandsagentur leere Flächen und Interessenten zusammenbringen und ein sogenannter "Club-Euro" die Augsburger Clubkultur unterstützen. Außerdem werde man nach dem Prinzip "Konzept und Idee vor Bestand" agieren. "Das, was es gibt, gibt es auch immer weiter", kritisierte Brandmiller. Dadurch würden die Mittel für neue Projekte fehlen. Er appellierte: "Im Zweifel lieber mal was Neues probieren."

Martina Wild (Grüne) betonte, dass Kultur einen wichtigen Beitrag für ein gutes Miteinander leisten könne. Doch Kultur habe auch einen Bildungsauftrag. Deshalb solle die Fachstelle für kulturelle Bildung ausgebaut und finanziell aufgestockt werden. Außerdem wünscht sich die Partei einen Leitfaden für alle größeren Veranstaltungen, damit diese nachhaltiger gestaltet werden können.

Martini-Park soll weiterhin Spielort des Theaters sein

Peter Hummel (Freie Wähler) setzte sich im Martini-Park dafür ein, die Interims-Spielstätten auch künftig für eine Nutzung durch das Theater zu erhalten. Falls es logistisch nicht möglich sei, diese komplett als zusätzliche Spielstätten zu etablieren, könne das Theater sie lediglich für einzelne Projekte nutzen. Im Umkehrschluss solle es auch der freien Theaterszene möglich sein, Aufführungen im Großen Haus zu organisieren. "Die freie Szene verdient keine Interims-Spielstätten", betonte er. Außerdem solle die Freilichtbühne aufgewertet werden, da man dort auch Menschen erreiche, die sonst nicht ins Theater gehen.

Oliver Nowak, der Listenplatz 1 für den Zusammenschluss aus der Polit-WG und Demokratie in Bewegung (DiB) einnimmt, fordert einen "Neustart in der Kulturpolitik". Der Posten des Kulturreferenten müsse künftig öffentlich ausgeschrieben werden und von einem Experten eingenommen werden. Außerdem müssten die Förderrichtlinien entbürokratisiert werden und Vorschussmöglichkeiten für kleinere Veranstaltungen geschaffen werden. Allgemein dürfe die Kulturpolitik nicht mehr durch Absprachen "im Hinterzimmer" entschieden werden. Auf die Nachfrage, wie dies verhindert werden könne, antwortete Nowak: "Da sehe ich als Lösung eigentlich nur, die kleineren Parteien zu wählen."

Eva Weber (CSU) bildete schließlich den Abschluss der Veranstaltung. "Eine wachsende Stadt braucht auch entsprechend mehr Kultur", betonte sie. Die Politik müsse hierfür die Rahmenbedingungen schaffen. Auch Eva Weber will die Fördermittellandschaft überarbeiten. Außerdem schlug sie vor, Andockungsmöglichkeiten zu schaffen, um eine Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen kulturellen Einrichtungen zu vereinfachen.

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