Region: Aichach|Friedberg

Heimatliebe aus der Vogelperspektive

Die herrliche Landschaft der Staudenwiesen zwischen Sirchenried und Hörmannsberg ist der Startplatz des Rieder Luftsportvereins.

Seit 20 Jahren hat der Luftsportverein Ried einen eigenen Segelflugplatz in Sirchenried.

Das beliebte Ferienfliegen für die Rieder Grundschüler konnte Corona-bedingt in diesem Jahr leider nicht durchgeführt werden. „Normalerweise werden die Flüge über die Heimat von den Kindern mit großer Begeisterung angenommen“, erzählt Manfred Kistler. Seit der Rieder Luftsportverein vor 20 Jahren auf den „Staudenwiesen“ zwischen Sirchenried und Hörmannsberg sein eigenes Segelfluggelände erhielt, verbringt der Mitbegründer und Vereinsvorstand bei guter Thermik dort viele Stunden seiner Freizeit. „Wir haben mit diesen gepachteten Wiesen ein wunderschönes Gelände“, schwärmt Manfred Kistler. „Ich denke, das ist weit und breit die einzige so große zusammenhängende Wiesenfläche mit Feuchtgebiet“. Auch dem Zuspruch des früheren Landrats Theodor Körner habe man das Grundstück für den Verein zu verdanken, weiß Kistler. „Die angrenzenden Landwirte waren bereit, bestehendes Ackerland zu Wiesen umzuwandeln, um die für die Flugbahn notwendigen 700 Meter zu erreichen. Mit ihnen schloss der Rieder Luftsportverein eine schriftliche Nutzungsvereinbarung und wir sind ihnen zu größtem Dank verpflichtet“.

Dem Antrag auf einen Segelflugplatz wurde auch von Seiten der Gemeinden Ried und Mering zugestimmt und der Flugplatz wurde zudem vom Luftamt Südbayern bei der Regierung von Oberbayern genehmigt. Dies geht aus dem Protokollbuch hervor, das im derzeit 31 Mitglieder zählenden Verein akribisch geführt wird.

Der erste Eintrag ist der Gründungsversammlung des Rieder Luftsportvereins am 2. November 1991 im Rieder Hof gewidmet. Mit elf Interessenten wurde er aus der Taufe gehoben. Seine Hauptaufgabe sah man darin, die Jugend über den Modellbau an die Fliegerei heranzuführen. Und so gab es im Lauf der Jahre im Rieder Ortsbereich unzählige Treffen, bei denen Segelflugmodelle gebastelt wurden. Auch elektrisch betriebene Motorflugmodelle wurden gestartet. Im Laufe der Zeit entwickelte sich daraus ein Segelflugverein mit manntragenden Segelflugzeugen. Mit Aufnahme dieses Flugbetriebs auf dem eigens gepachteten Gelände wurde von Anfang an auch eine Segelflugausbildung durchgeführt. „Die Flugschüler, damals zwischen 15 und 25 Jahren alt, stammten überwiegend aus dem Gemeindebereich Ried“, erzählt der 73-Jährige. Insgesamt haben bis heute sechs Vereinsmitglieder die Segelfluglizenz erworben. Ausgebildet wurde mit einem doppelseitigen Segelflugzeug, das Manfred Kistler dem Verein unentgeltlich zur Verfügung stellte. Ein Übungssegelflugzeug, ein Schulgleiter namens „Zögling“, hat der begeisterte Segelflieger und Segelfluglehrer nach einem Modell von 1931 zusammen mit Jugendlichen nachgebaut. Zudem wurde ein einsitziges Segelflugzeug namens Grunau Baby restauriert, das im Jahre 1954 vom Luftsportverein Hotzenwald gebaut worden war und das sich mit dem offenen Cockpit großer Beliebtheit erfreut.

Geflogen wird von den wenigen aktiven Mitgliedern noch immer mit Begeisterung. Auch Spaziergänger werden immer wieder gerne auf einen Rundflug mitgenommen, berichtet Manfred Kistler. „Sie sind dann oft überrascht, welche schöne, waldreiche Landschaft unter ihnen liegt“. Je nach Wetterlage und entsprechender Thermik sind auch ausgedehnte Flüge möglich. „Mehrere Male wurden über dem Hartwald Flughöhen von knapp 3000 Metern erreicht“, erzählt Kistler begeistert.

Der Polizeibeamte im Ruhestand hat bereits als Zwölfjähriger mit dem Bau von Flugmodellen begonnen. Die Leidenschaft für die Fliegerei liegt in der Familie. Kistlers Vater war Kampfpilot im Krieg und als Kind schaute der kleine Manfred gerne die Kriegsalben mit Schwarz-Weiß-Bildern vom Fliegen an. Bruder Herbert Kistler arbeitete als Testpilot bei Eurocopter in Donauwörth und Bruder Johannes Kistler leitet den Merchinger Modellflugclub. „Seit Genehmigung des Flugbetriebes haben wir insgesamt 1500 Starts durchgeführt ohne jegliche Zwischenfälle“, berichtet der Vorsitzende des Luftsportvereins. „Dieses einmalige Segelfluggelände ist sowohl am Boden als auch von der Luft aus völlig unauffällig, da keinerlei Gebäude vorhanden sind. Lediglich Landebahnmarkierungen und Hinweisschilder werden zu Beginn aufgestellt und dann wieder weggeräumt, erklärt Kistler. Man versuche im Einklang mit der Natur dem Fliegerhobby nachzugehen. „So fliegen wir beispielsweise erst nach der ersten Heuernte und sorgen dann später im Jahr für das Mähen der Wiesen“.

Der Segelflugplatz verhinderte vor einigen Jahren auch eine geplante Windkraftanlage im Högelwald, etwa einen Kilometer östlich von Sirchenried. „Der wurde 2013 wieder aus der Planung gestrichen, da der Radius zum bestehenden Segelflugplatz nicht eingehalten werden konnte“, erinnert Kistler. „Unser Vereins- und Platzjubiläum wollen wir auf jeden Fall irgendwann noch feiern, wenn die Corona-Beschränkungen es zulassen“. (ike)

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