Region: Augsburger Land

Interview mit Karin Maria Wieser: "Das Fernweh war zu groß"

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Freie Mitarbeiterin Nicole Fischer
Karin Maria Wieser stellt ihr zweites Buch „Immer nur fast“ vor, in dem ein wahres Lebensdrama einer Freundin erzählt wird.

Karin Maria Wieser lebte bisher in Kolumbien, Mexiko, Argentinien und auf Sansibar. Zwischendurch hält sie sich immer wieder gern in Süddeutschland auf. Neben dem Schreiben findet sie auch Erfüllung im Malen.

StaZ: Geboren und aufgewachsen in Mindelzell bei Krumbach. Was hat Sie dazu bewogen, nach Argentinien zu ziehen? Da gehört ja eine Menge Mut dazu!

Wieser: Eigentlich war das gar kein Mut, das war eher den Umständen zuzuschreiben. Sie müssen wissen, zur damaligen Zeit war Mindelzell ein Dorf mit 600 Leuten, eine tiefkatholische Gegend, wo die Mädchen und Jungen in den Klassen getrennt saßen. Damals entwickelte ich einen großen Welthunger. Wollte mehr erleben. Ich bin wohl mehr geflüchtet.

StaZ: Gehört dazu nicht auch ein bestimmter finanzieller Background?

Wieser: Ja, das stimmt und die meisten Nachbarn haben gestaunt, wie meine Eltern mir das ermöglichen können. Doch ich habe alles selbst verdient. Mein Ziel vor Augen, habe ich nach der Realschule und der FOS, Akkordarbeit in Fabriken geleistet und mir so alles selbst finanziert. Im musisch/technischen Bereich habe ich dann eine Ausbildung zum Fachlehrer gemacht. Mit 27 Jahren ein Fernstudium in DAF (Deutsch als Fremdsprache). Das war für mich wichtig, um in Köln im Auslandsschulwesen angestellt zu werden.

StaZ: Und mit 28 Jahren dann nach Buenos Aires?

Wieser: Sieben Monate bin ich von Nordamerika/ Mexiko nach Südamerika/Bolivien gereist. Ich wollte unbedingt einen kompletten Jahreszyklus vom Wetter her mitbekommen. Mein Geld habe ich als Lehrerin an einer deutschen Auslandsschule verdienen können. Zwei Jahre lebte ich dann in Mexiko. Da war ich 28 Jahre, genau. Das Land hat mich total inspiriert. 2005 bin ich wieder nach Deutschland gekommen und 2007 wurde meine Tochter geboren. Als sie elf Monate alt war, gingen wir wieder nach Argentinien. Das Fernweh war zu groß.

StaZ: Warum sind Sie denn dann wieder zurückgekommen?

Wieser: Mir ist die Rückeinwanderung sehr schwer gefallen. Das war 2011. Mein Mann musste aus beruflichen und familiären Gründen zurück. Ehe wir hier wieder eine eigene Wohnung gefunden haben, ist ein halbes Jahr ins Land gegangen. Ich bin in der Zeit zum Glück bei meinem Vater untergekommen.

StaZ: Wann und wo haben Sie denn da Zeit fürs Schreiben und Malen gefunden?

Wieser: Das konnte ich erst hier in Deutschland. In Argentinien hatte ich dafür keine Zeit. Hier habe ich jeden Samstag gemalt. Als meine Tochter dann zur Schule gekommen ist, fand ich die Zeit zum Schreiben. Es entstand mein erstes Buch „Taktgefühl und Kopfläuse“, in dem ich meine Erfahrungen und Erlebnisse von der Seele geschrieben habe.

StaZIch habe gelesen, dass Sie das Schreiben dem Malen vorziehen, warum?

Wieser: Das eine geht ohne das andere nicht. Verschiedene Künste bedingen sich gegenseitig. Doch das Malen hat für mich einen Limitpunkt der Befriedigung, das Schreiben ist ohne Limit. Ich kann mit der Sprache malen. Nach dem Argentinienbuch musste ich aber wieder malen. Einige Zeit brauchte es dann, ehe ich das zweite Buch angefangen habe. Da habe ich dann aber auch zwei Jahre durchgeschrieben, denn ein Roman hat viel mehr Volumen als ein Reiseerfahrungsbuch. Im September 2020 sind wir dann wieder nach Tansania gezogen.

StaZ: Wo sehen sie sich in zehn Jahren? Welches Land ist am schönsten?

Wieser: Das kann man gar nicht so sagen. Afrika war eine geniale Erfahrung. Aber im Herzen bin ich eine Lateinamerikanerin und Südeuropäerin. Doch erst mal möchte ich noch die Fortsetzung meines zweiten Buches schreiben und eventuell auch einen Familienroman. Vielleicht werde ich mal ein Haus in Italien an der Adria haben. Mit Garten als Selbstversorgerin. Aber fern ab vom Tourismus.

Interview: Nicole Fischer

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