Region: Augsburger Land

Unterstützung auf dem Lechfeld: Über das Normale hinaus

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Freie Mitarbeiterin Nicole Fischer
Die in der Ukraine geborene Ilona Popova ist die erste Ansprechperson bei den Flüchtlingen auf dem Lechfeld. Tochter Marija wächst zweisprachig auf und dolmetscht in der Grundschule Untermeitingen. Der kleine Konstantin findet neue Spielkameraden prima.

Die in der Ukraine geborene Ilona Popova hilft Flüchtlingen auf dem Lechfeld. Sie übersetzt, beantragt, gibt Neuigkeiten weiter.

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Mit elf Jahren kam Ilona Popova nach Deutschland. Schule, Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau, 2009 lernte sie ihren jetzigen Mann in Olching kennen, fünf Jahre später fand die Hochzeit statt. 2015 entdeckten sie ihr Traumhaus in Untermeitingen und zogen aufs Lechfeld. Es folgten die Wunschkinder Marija und Konstantin (sieben und drei Jahre). Seit Februar ist ihr Leben und das ihrer Familie über Nacht völlig auf den Kopf gestellt. „Chaotisch und mit wenig Schlaf“, beschreibt Popova ihren Tagesablauf. Um sechs Uhr klingelt der Wecker. „Erst checke ich die Lage in der Ukraine“, berichtet sie. In der Ukraine lebt ihre restliche Familie unter Existenzängsten, die meiste Zeit in Kellern oder fremden, verlassenen Häusern untergebracht. Das eigene Hab und Gut ist dem Erdboden gleich gemacht worden. In den sozialen Medien hält sie Kontakt mit Flüchtlingen, die sich auf den Weg nach Deutschland machen.

„Nach Bayern kommen keine mehr. Bayern hat sein Soll erfüllt“, sagt Popova, die sich seit Februar um die Flüchtlinge des Ankerzentrums kümmert, welches nun leer steht. Sie organisiert und übersetzt, kümmert sich um Deutschkurse, füllt Formulare und Anträge aus, hilft beim Job-Center, bei der Arbeitsstellenvermittlung, bei der Wohnungssuche.

Unterstützung bekommt Popova, so gut es geht, von Viktoria Hadersdorfer vom Sozialraumprojekt „Wir daheim auf dem Lechfeld“. Hadersdorfer hat zusammen mit fleißigen Helfern einen sogenannten Nachbarschaftsraum in der Schwabmünchner Straße 3a in Klosterlechfeld eingerichtet. Hier finden Beratungen für jeden Bürger zur Alltagshilfe statt sowie Deutschkurse und Begegnungen für Migranten und Flüchtlinge. „Ich sehe mich als Koordinatorin und Organisatorin im sozialen Bereich“, so Hadersdorfer. Sie vermittelt alle ankommenden Anfragen und Bedürfnisse an die richtige Adresse weiter, so dass schnell Hilfe geleistet werden kann. So bietet Hadersdorfer auch Obdachlosen- und Flüchtlingshilfe an. Doch schnell steht fest: Ohne Dolmetscher wird es schwer. Und so ist Ilona Popova immer die erste Ansprechperson.

Ehrenamtlich kümmert sich Popova bis spät in die Nacht und darüber hinaus um Sorgen und Belange. Wenn sie mit ihren Kindern zum Spielplatz geht, dann ist ihr Handy immer dabei, um im Chat Antwort und Lösung zu posten. Ganz schnell hat sie Gruppen eröffnet: Willkommenscafé, Gastgebergruppe, Dolmetscher-, Lechpark-, Fahrer-, Picknick- und Grillgruppe und die Gruppe für besondere Aktionen. Die Lechparkgruppe kümmerte sich um die Grundausstattung der Flüchtlinge mit Kleidung für Groß und Klein. Alle Spenden wurden zum Einkaufszentrum Lechpark gebracht. Die Fläche wurde kostenlos vom Inhaber zur Verfügung gestellt. „Hier konnten sich die Flüchtlinge mit dem Nötigsten erst mal kostenlos einkleiden“, so Popova. Die Konten der Flüchtlinge waren in der Ukraine gesperrt.

Das Lechfeld hält zusammen

„Auch das gegenseitige Sehen und Gesehen werden, war so wichtig in dieser Phase“, ergänzt sie. Die Tafel hat hier auch tatkräftig unter die Arme gegriffen, ist aber selber auf Hilfe angewiesen. Es kommen viele Spenden von Schulen, Vereinen, Kindergärten durch Kuchenverkäufe, Gutscheine und Ähnlichem zusammen. Sogar eine große Firma hat sich mit einer großzügigen Spende an der Beschaffung von Outdoor-Spielzeug, Schulranzen und Schulmaterial beteiligt. Auf Spendenbasis wird auch das bevorstehende Grillen finanziert. Die Ukrainer sind für diese ganze Unterstützung sehr dankbar und wollen auch etwas zurückgeben. Viele von ihnen haben durch und mit Popova bereits eine Arbeit gefunden und revanchieren sich. Sie bringen sich zu festlichen Aktivitäten des Dorflebens ein und helfen, wo sie nur können. Parallel hierzu organisiert Popova 1000-Liter-Trinkwasserfässer für die Ukraine und sorgt mit vielen unterstützenden Unternehmen für die Lagerung und Lieferung in die Ukraine. Eine enge Zusammenarbeit besteht ebenfalls mit dem Ukrainischen Verein Augsburg, für den sie parallel auch Sachspenden sammelt und meist am Wochenende zusammen mit der Familie dort anliefert.

„Ohne die Unterstützung meines Mannes und meiner Kinder wäre das alles nicht möglich“, erläutert sie. „Mit Freunden treffen klappt momentan nicht mehr so gut“, bedauert sie. Samstags geht sie selbst noch einer Arbeitstätigkeit in einem Discounter nach. Das alles zehrt an den Nerven. Aber sie ist glücklich, sich so einsetzen zu können und voller Stolz sagt sie: „Zu sehen, wie das Lechfeld zusammen steht, mit allen Spenden und Ehrenamtlichen, erfüllt mich mit Stolz auf meine Mitmenschen.“

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