Region: Augsburger Land

Experte für Fußballregeln ist jetzt ein 70ger

StaZ-Reporter Georg Schalk
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Manfred Kranzfelder

Als Regelpapst würde er sich selbst nie bezeichnen, dazu ist Manfred Kranzfelder zu bescheiden. Dass Fußballregeln in seinem Leben einen entscheidenden Anteil hatten und haben, ist dennoch unbestritten. 20 Jahre lang war er als Landeslehrwart beim Bayerischen Fußball-Verband (BFV) höchster Regelhüter im Freistaat, davor 18 Jahre Lehrwart bei seiner Heimatgruppe, der Schiedsrichtervereinigung Augsburg. Unlängst hat ihn der BFV beim Verbandstag in Bad Gögging verabschiedet, und ein paar Tage später feierte Kranzfelder seinen 70. Geburtstag.

Der Wehringer, der für den TSV Pfersee im Einsatz ist, ist ein Mann des Ehrenamtes. Erst führte ihn seine aktive Schiedsrichter-Karriere bis in die Bayernliga. 1999 beendete er sie. Ein Jahr zuvor hatte er eine zweite Laufbahn innerhalb des Schiedsrichterwesens eingeschlagen, die des Beobachters. Seit 2003 ist er in dieser Funktion für den Deutschen Fußball-Bund (DFB) unterwegs. Bis heute fährt er zu Stadien und Sportanlagen in ganz Süddeutschland, um die eingeteilten Teams auf dem Rasen zu bewerten und ihnen viele gute Tipps für ihre Spielleitungen zu geben. Das können Partien in der A- oder B-Junioren-Bundesliga sein, in der Frauen-Bundesliga oder in seinem Heimatbundesland in der Regionalliga der Herren. Noch ein Jahr, bis zum Ende der Saison 2022/23, wird Kranzfelder DFB-Beobachter bleiben, dann ist Schluss. „Es war eine rundum schöne Zeit. Mir hat es immer Spaß gemacht“, zieht der 70-Jährige als Fazit.

Besonders angetan haben es, wie beschrieben, die Fußballregeln. Immer wenn der DFB vom Weltfußballverband FIFA Neuerungen und Regeländerungen wie in diesem Jahr die (Wieder-) Einführung der Zehn-Minuten-Zeitstrafe mitgeteilt bekommen hatte, galt es für den bayerischen Landeslehrwart und seinem Team, diese so schnell wie möglich an die Basis  weiterzuvermitteln. Doch der Freistaat ist groß. „In manchen Jahren war dafür nur ein, zwei Wochen Zeit, weil der Saisonbeginn unmittelbar bevorstand. Es dauert eben seine Zeit, bis die Änderungen bis zum letzten Schiedsrichter durchgedrungen sind“, beschreibt er die Aufgabe.

Wie viele Tage und Wochenenden er Zeit seines Lebens in Sportschulen in München-Grünwald oder Oberhaching, in Lehrsälen oder Vereinsheimen zugebracht hat, hat Kranzfelder nicht gezählt. „Es waren einige“, antwortet er und lacht dabei.

Auch die hunderten Anfragen aus ganz Bayern von Unparteiischen, Vereinen und Lehrwarten – per Post, per Mail oder per SMS - waren anspruchsvoll. „Man durfte keine falsche Auskunft geben, das wäre ja peinlich gewesen.“ Da er auch nicht immer gleich eine Antwort auf jedes noch so verzwicktes Regelproblem hatte, bediente er sich der Expertise von DFB-Lehrwart Lutz Wagner. „Ohne die Zusammenarbeit mit ihm wäre es nicht gegangen“, unterstreicht er sein gutes Verhältnis zum ehemaligen Bundesliga-Schiedsrichter und langjährigen Spitzen-Funktionär.

Manfred Kranzfelder war beruflich beim Autohaus Opel Haas in Augsburg tätig, wo er als Technischer Angestellter und Garantiesachbearbeiter tätig war. In seiner Freizeit engagierte er sich schon immer gerne ehrenamtlich. So wurde er bereits mit 18 Jahren Jugendleiter beim TSV Pfersee. Mit 23 Jahren übernahm er die Fußball-Abteilung, später den Posten des 2. Vorsitzenden des Gesamtvereins. In jenen Jahren spielte der TSV auf seiner Anlage an der Hessenbachstraße sogar in der Landesliga, damals die vierthöchste Liga überhaupt. Als kein erster Vorsitzender gefunden werden konnte, führte er den Gesamtverein vorübergehend kommissarisch. „Es gibt nichts, was ich dort nicht gemacht hätte“, stellte Kranzfelder fest. Zum Dank ernannte ihn der TSV Pfersee zu seinem Ehrenmitglied.

Die Tätigkeit als Schriftführer beim SPD-Ortsverein Wehringen rundet die lange Liste seiner Ehrenämter ab. Dort wohnt er mit seiner Frau Gabi und der Familie schon immer, leidenschaftlich Politik zu machen, ist aber nicht seine Sache.

Große Pläne, was er künftig in seiner (freieren) Zeit machen will, hat Kranzfelder nicht. „Ich werde am Wochenende statt auf den Fußballplatz auch mal zum Auspannen fahren. Wir haben darüber hinaus einen großen Garten, da gibt es immer was zu tun. Langweilig wird es mit Sicherheit nicht werden“, sagt er. Da er noch ein Jahr DFB-Beobachter ist, spricht der 70-Jährige von einem „langsamen Abschied“. Die Wahrscheinlichkeit, dass er anschließend noch ein ganz neues Ehrenamt anstrebt, ist wohl eher gering.        

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