Region: Donauwörth|Nördlingen

Impfskandal um Wemdinger Arzt: Durchsuchungen und Blutentnahmen bei Patienten

Die Polizei hat am Donnerstag Wohnungen von Verdächtigen wegen mutmaßlich falscher Impfbescheinigungen durchsucht. Ein Wemdinger Hausarzt soll diese ausgestellt haben.

Ein Wemdinger Hausarzt soll zahlreiche Corona-Scheinimpfungen vorgenommen haben. Nun hat die Polizei Razzien bei Patienten durchgeführt – inklusive Blutentnahmen.

Am Donnerstag fanden die Wohnungsdurchsuchungen und Blutentnahmen bei Patienten des Arztes, der bis zum Herbst in Wemding praktizierte, statt. Die Razzien betrafen laut Polizei etwa 100 Personen im gesamten süddeutschen Raum. Dem Arzt werde vorgeworfen, einerseits impfwilligen Patienten keinen Impfstoff verabreicht zu haben sowie andererseits Impfunwilligen ein falsches Impfzeugnis ausgestellt zu haben.

Die Kripo ermittelt seit dem vergangenen Jahr gegen den Mediziner. In seiner Praxis war es zu Unregelmäßigkeiten bei Corona-Impfungen gekommen. Einerseits habe es Fälle gegeben, in denen er Patienten eine Impfung vorgetäuscht haben soll. Diese wollten von ihm eine Schutzimpfung erhalten, hätten aber – ohne davon zu wissen – keinen Impfstoff verabreicht bekommen. Die getäuschten Patienten waren jedoch nicht Teil der Razzien am Donnerstag.

In anderen Fällen habe der Arzt Patienten einen Impfnachweis ausgestellt, obwohl keine Impfung stattfand. Diese Personen, deren Häuser und Wohnungen nun durchsucht wurden, "suchten den betreffenden Arzt auf, um einen Impfnachweis zu erhalten, ohne dass nach beiderseitigem Einvernehmen eine Covid-Impfung erfolgte", heißt es von der Polizei. Gegen diese Patienten werde nun ebenfalls wegen der Beihilfe beziehungsweise Anstiftung zum Ausstellen unrichtiger Gesundheitszeugnisse und deren Verwendung ermittelt. Außerdem stünden Verstöße gegen das Infektionsschutzgesetz im Raum.

50 Beschuldigten wurde Blut entnommen

In diesem Zusammenhang führte die Polizei seit dem frühen Donnerstagmorgen eine "groß angelegte Durchsuchungsaktion" im bayerischen und gesamten süddeutschen Raum unter Leitung der Kriminalpolizei Dillingen durch. An der Aktion waren die Bereitschaftspolizei und weitere Beamte in anderen Bundesländern beteiligt. Neben Bayern habe es Durchsuchungen in Baden-Württemberg, Hessen und Nordrhein-Westfalen gegeben.

Die Staatsanwaltschaft Augsburg habe im Vorfeld beim Amtsgericht Augsburg entsprechende Beschlüsse zu den Wohnungsdurchsuchungen und Blutentnahmen erwirkt. Wie das Polizeipräsidium Schwaben-Nord erklärt, sei bei knapp 50 Beschuldigten Blut entnommen worden. Hintergrund sei, den sogenannten Titer-Wert festzustellen, um herauszufinden, ob die Patienten über Antikörper verfügen. "Nahezu alle Personen verhielten sich durchweg kooperativ", berichtet das Präsidium. Die Polizei habe einen Schwerpunkt darauf gesetzt, den Beschuldigten die Maßnahmen und Hintergründe zu erläutern. "Dazu waren beispielsweise auch Kommunikationsbeamte im Einsatz. Es kam zu keinen nennenswerten Fällen, bei denen die Beschuldigten gegen die Maßnahmen der Beamten agierten", so die Polizei.

70 Mobiltelefone und 80 Impfausweise sichergestellt

Zudem seien rund 70 Mobiltelefone sichergestellt worden. Diese werden nun nach tatrelevanten Inhalten ausgewertet. Die Ermittler gehen davon aus, dass sich auf mehreren Mobiltelefonen widerrechtlich erlangte digitale Impfzertifikate befinden. Darüber hinaus seien circa 80 Impfausweise sichergestellt worden.

Im Zuge der Durchsuchungen sei es auch zu „Zufallsfunden“ gekommen. Dabei seien beispielsweise 600 Gramm Marihuana und geringe Mengen an Amphetamin und Kokain aufgefunden worden. Außerdem sei eine Schreckschusspistole und ein Springmesser sichergestellt worden. Auch entdeckten die Einsatzkräfte fünf Stempel von Arztpraxen und Impfzentren, mehrere Blanko-Impfausweise und Blanko-Genesenen-Zertifikate. (pm/mjt/jaf)

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