Region: Dillingen|Wertingen

Objekt des Monats März: Die Ölberggruppe im Heimatmuseum: Das eigene Schicksal anzunehmen ist selbst für Jesus schwer

LeserReporter Cornelius Brandelik aus Wertingen

Der Wertinger Ölberg in der 1950er Jahren

Ölberg-Szenen finden sich in Kirchenanbauten oder eigenen Ölberghäuschen in Kirchennähe auf dem Friedhof. In unserer Gegend sind sie z. B. in Dillingen, Höchstädt, Kicklingen, Mertingen, Zusamaltheim, Laugna und Prettelshofen zu finden. Sie entstanden zu Beginn des 18. Jahrhunderts. Gezeigt wird der kniende Jesus im Gespräch mit einem Engel, der ihm einen Kelch reicht. Drei begleitende Jünger Jesu finden sich dabei schlafend in unmittelbarer Nähe. Die Landschaft ist aus Tuffgestein modelliert, die umgebenden Wände zeigen aufgemalte orientalische Gebäude-landschaften. Die Szene geht zurück auf Das Gebet in Getsemani, das bei Markus,  Kapitel 14, Vers 32 bis 42 im Neuen Testamentes zu finden ist: Sie kamen zu einem Grundstück, das Getsemani heißt, und er sagte zu seinen Jüngern: Setzt euch und wartet hier, während ich bete. Und er nahm Petrus, Jakobus und Johannes mit sich. Da ergriff ihn Furcht und Angst, und er sagte zu ihnen: Meine Seele ist zu Tode betrübt. Bleibt hier und wacht! Und er ging ein Stück weiter, warf sich auf die Erde nieder und betete, dass die Stunde, wenn möglich an ihm vorübergehe. Er sprach: Abba, Vater, alles ist dir möglich. Nimm diesen Kelch von mir! Aber nicht, was ich will, sondern, was du willst soll geschehen. Und er ging zurück und fand sie schlafend. Da sagte er zu Petrus: Simon, du schläfst? Konntet du nicht einmal eine Stunde wach bleiben? Wacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung geratet. Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach. Und er ging wieder weg und betete mit den gleichen Worte. Als er zurückkam, fand er sie wieder schlafend, denn die Augen waren ihnen zugefallen; und sie wussten nicht, was sie ihm antworten sollten. Und er kam zum dritten Mal und sagte zu ihnen: Schlaft ihr immer noch und ruht euch aus?  (Zitiert nach der ökumenisch verantworteten Einheitsübersetzung, Ausgabe 2011).

Auch Pfaffenhofen und Wertingen besaßen einst eine solche Ölbergszene. Die Pfaffenhofener Szene wurde etwa Mitte der 1950er Jahre entfernt, die Figuren kamen auf den Dachboden der Kirche bzw. des Pfarrhofes. Der Ölberg in Wertingen wurde unter Pfarrer Melchior Hops Ende der 1950er Jahre aufgelöst und dem Heimatmuseum übergeben. Auf der Postkarte sieht man die ursprüngliche Aufstellung, die  im Museum leider nur angedeutet werden kann. Der Ölberg befand sich im Kirchhof am heutigen Häusereck Martinus-Apotheke/Metzgerei Ottinger, an der Stelle, wo heute das Osterfeuer entzündet wird. Er ist Objekt des Monats März. Die Figuren sind zwischen 72 und 91 cm groß und wirken sehr realistisch.

Es ist interessant, die einzelnen Ölbergszenen der Umgebung zu erkunden. Zum Teil ähneln sie sich, zum Teil unterscheiden sie sich in der Gestaltung. So spürt man in Höchstädt und Kicklingen deutlich die Vorbildwirkung der Ölbergszene aus Dillingen, die neben der Basilika in einer offenen Kuppel zu sehen ist.

Ein Ölberg mit Besonderheit findet sich in der Kirche St. Andreas in  Prettelshofen. Die vergitterte Nische an der Nordseite der Kirche neben dem Querhaus weist unterhalb der Ölberg-Szene ein Relief mit einer Fegefeuer-Darstellung auf. Rechts und links von diesem gefassten Relief finden sich heute leere Fächer. In ihnen waren bis in die 1970er Jahre Schädel aufbewahrt. D. h. unterhalb der Ölberg-Darstellung war das Beinhaus integriert. Auch in St. Martin in  Pfaffenhofen war unterhalb des Ölbergs ein Beinhaus. In St. Martin in Zusamaltheim ist ein Priestergrab unter dem Ölberg zu finden, das zwei übergroße Schädel zeigt. Durch diese Memento mori wird an die Sterblichkeit des Menschen erinnert. Die Ölbergszene selbst ruft zur Wachsamkeit auf, auch zur Teilnahme am Schicksal anderer Menschen.

Weitere Bilder

Kommentare

Anmelden um Kommentare zu schreiben

 


X