Region: Günzburg|Krumbach

Des dauggd: Nachschlagewerk für den Bayerisch-Schwäbischen Dialekt

Freier Mitarbeiter Marc Hettich
Viktoria Spies hat ein Nachschlagewerk für den Bayerisch-Schwäbischen Dialekt verfasst.

Viktoria Spies aus Wiesenbach hat Wörter und Redewendungen aus dem Schwäbischen in einem Buch zusammengestellt.

„S´Stendle brengds Kendle“, zitiert Viktoria Spies ihre liebste schwäbische Redensart. Gemeint ist damit: Alles hat seine Zeit. Für die 73-Jährige war in der Pandemie die Zeit reif, ein Buch zu veröffentlichen. Auf 79 Seiten hat sie eine umfangreiche Sammlung an Dialekt-Vokabeln, Redensarten, Sprichwörtern und Reimen aus ihrer mittelschwäbischen Heimat zusammengestellt. Abgerundet wird das Werk durch von der Autorin aufgenommenen Fotografien aus der Region. Beim Durchblättern des Buches saugt man die liebenswerte schwäbische Seele mit ihrem charakteristischen Humor in sich auf, wenn man auf Redewendungen wie „A Bsuach isch scho recht, abr d´Schuah soddr it radoa“ stößt: Besuch ist willkommen, sollte aber bitte nicht so lange bleiben.

Die Vollblut-Schwäbin betont: „Ich sehe mein Buch nicht als eine sprachwissenschaftliche Arbeit.“ In der Einführung geht sie aber durchaus auch auf interessante Besonderheiten ihrer Muttersprache ein – etwa die Unterschiede in den Dialekten, die sich schon nach wenigen Kilometern von Ort zu Ort finden lassen. Das gilt etwa für ihren Geburtstort Ingstetten, wo man neben dem geläufigen „hoile“ für „heimlich“ auch „hälinga“ verwendet. Fünf Kilometer weiter, in ihrem heutigen Wohnort Wiesenbach, ist dieser Begriff nicht gebräuchlich.

Parallelen und Unterschiede findet man natürlich auch zwischen der bayerischen und schwäbischen Mundart. Das breitbeinige „Mir san mir“, dass die Oberbayern kultiviert haben, gäbe es im schwäbischen zwar auch. „Der Schwabe ist aber insgesamt eher zurückhaltend“, meint Viktoria Spies. Das erkenne man an der häufigen Verniedlichung durch die charakteristische Endung, „-le“, wie in „Spätzle“ oder „Häusle“. Diese Zurückhaltung findet man auch bei der Autorin selbst, die Wert darauf legt, dass sie einige andere Sprachen nicht flüssig spricht, sondern sich lediglich damit beschäftigt hat. Neben Englisch, Französisch und Italienisch zählt neuerdings auch Ukrainisch dazu: „Ich schneide aus der Tageszeitung die Übersetzungen aus.“ In ihrer Nachbarschaft werden Flüchtlinge aus der Ukraine erwartet. Berührungsängste kennt sie nicht, schließlich hat sie in Edelstetten fünf Jahre lang Asylbewerber in Deutsch unterrichtet. Zu einem Kongolesen und in den Kosovo pflegt sie heute noch regelmäßigen Kontakt.

Wie sieht sie die Zukunft der schwäbischen Mundart? „Ich denke, zehn, zwanzig Jahre überlebt der schon noch“, zeigt sie sich recht zuversichtlich. „Bei uns auf dem Dorf sprechen die jungen Leute noch Dialekt“, stellt sie fest. Besonders gefreut hat sie sich, dass ein 23-Jähriger mit türkischen Wurzeln ihr Buch bestellt hat. „Ein schönes Gefühl war auch an Heiligabend daran zu denken, dass sich jetzt mindestens 200 Menschen über mein Buch unterm Weihnachtsbaum freuen.“

Das Buch „Bayerisch-Schwäbisches in Wort und Bild aus Mittelschwaben“ mit einem Vorwort vom Geistlichen Rat Karl B. Thoma kann im lokalen Buchhandel in Weißenhorn, Vöhringen, Illertissen, Krumbach und Thannhausen bezogen werden, oder bei der Autorin selbst: viktoria-spies[at]web[dot]de. (red)

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