Region: Augsburger Land

Streit um neue Bahntrasse: Ist ein Fernbahnhof für Augsburg die Lösung?

Einen eigenen Fernbahnhof für ICEs und TGVs hat Zusmarshausens Bürgermeister Bernhard Uhl nun in einem Offenen Brief vorgeschlagen. Er will damit Bewegung in den Streit um den künftigen Trassenverlauf für den Bahnfernverkehr zwischen Augsburg und Ulm bringen.

Zusmarshausens Bürgermeister Bernhard Uhl hat dem Projektteam für die Planung zur künftigen Fernverkehrsbahntrasse zwischen Ulm und Augsburg seine Ideen und Verbesserungsvorschläge mitgeteilt. Sein klarer Favorit: der Ausbau der Bestandsstrecke.

Tiefer und tiefer schiebt sich der Keil im Landkreis Augsburg zwischen den Gemeinden an der A 8 und an der bestehenden Bahnstrecke. Anfangs noch vorsichtig, formulieren nun die von möglichen Bahntrassen besonders betroffenen Gemeinden sehr klar, dass diese für sie nachteiligen Varianten nicht weiter zu verfolgen seien, sondern eben die jeweils andere. In einem Offenen Brief hat sich nun Zusmarshausens Bürgermeister Bernhard Uhl an die Projektgruppe der DB Netz gewandt und eben diese Position noch einmal verdeutlicht. "Aus der bisherigen Beschlusslage der Marktgemeinde Zusmarshausen und meiner festen Überzeugung wird der Ausbau der Bestandsstrecke am sinnvollsten sein", schreibt Uhl. Mit einigen Modifizierungen für den Verlauf in den Landkreisen Günzburg und Neu-Ulm will er auch dort für Akzeptanz sorgen. Damit lehnt Uhl die Varianten ab, die sich an der A 8 orientieren und so sein Gemeindegebiet beträfen.

Doch Uhl wolle auch an die Not der von einem Ausbau der Bestandsstrecke betroffenen Kommunen im Landkreis Augsburg denken. In Neusäß und Diedorf müssten voraussichtlich Privathäuser weichen, um den neuen Fernverkehrsgleisen genügend Platz zu bieten. Uhls kühner Vorschlag: ein eigener Fernbahnhof für Augsburg. Für Uhl stellt sich die grundsätzliche Frage, "ob der Halt des Fernverkehrs in Augsburg zwangsläufig am Hauptbahnhof auf Gleis 1 erfolgen muss".

Er schlägt stattdessen vor, einen Fernbahnhof südwestlich von Augsburg zu errichten, damit dort künftig ICEs und TGVs halten könnten. "Damit könnten die Bestandsgleise in Diedorf und Neusäß unverändert erhalten bleiben. Es müssten dort keine Häuser abgerissen werden und die beiden Kommunen müssten keinerlei Einschränkungen hinnehmen", ist Uhl offenbar überzeugt. Auch die Möglichkeit, dass der Bahnhalt in Mering zu einem Fernbahnhof für Augsburg ausgebaut werden könnte, bringt Uhl in die Überlegungen mit ein.

Die Lösung des offensichtlichsten Problems an seinem Vorschlag, nämlich die Anbindung an die Augsburger Innenstadt, überlässt er freilich der Projektgruppe. "Dazu sind intensive Gespräche mit Ihrem Auftraggeber sowie der Bayerischen Eisenbahngesellschaft erforderlich", schreibt Uhl, bietet aber seine Unterstützung hierbei an.

In Augsburg dürfte dieser Vorschlag auf wenig Gegenliebe stoßen, treibt die Stadt doch nun schon seit Jahren den Umbau des Hauptbahnhofs voran mit dem Ziel, hier die Mobilitätsdrehscheibe für die gesamte Region entstehen zu lassen. Nah- und Fernverkehr sollen möglichst direkt ineinander greifen und so Verbindungen für die Fahrgäste optimieren – das soll, zumindest theoretisch, auch der angedachte Deutschlandtakt verwirklichen. Ein abseits liegender Fernbahnhof würde dem eher entgegen stehen.

Wie viele Unterstützer Uhls Vorstoß also findet, ist ungewiss. Trotzdem rät er Projektleiter Markus Baumann und seinem Team, den Vorschlag vertieft zu prüfen. "Durchaus wäre vorstellbar, dass eine nicht ausreichend geprüfte Variante in einem Verwaltungsgerichtsverfahren zu Schwierigkeiten führen könnte", warnt Uhl ganz unverhohlen davor, sein Schreiben leichtfertig abzutun. (pm/mh)

Kommentare

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Beitrag von LeserReporter: Profilbild von Thorsten FrankThorsten Frank
14. Januar 2022 - 12:03

Führt die Klimaerwärmung auch dazu, dass der 1. April nun schon im Januar ist?

 


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