DREI WEITERE STOLPERSTEINE FÜR AUGSBURG

LeserReporter Arthur Koschate aus Augsburg
Montag, 26. Juli 2021 - 12:30 - 16:00

Montag, den 26. Juli 2021, 13:30 Uhr
Achte Verlegung von Stolpersteinen in Augsburg
Treffpunkt zur ersten Verlegestelle: Tunnelstraße 14
Nach einer pandemiebedingten Pause werden wieder Stolpersteine in Augsburg verlegt.
In Augsburg liegen bereits Stolpersteine für 32 Opfer des NS-Terrors (13 weitere warten auf
ihre Genehmigung). Sie erinnern in unserer Stadt an ganz unterschiedliche Schicksale: an den
kommunistischen, sozialdemokratischen und christlichen Widerstand, an jüdische Familien,
an Jenische, an einen Homosexuellen, an einen Zeugen Jehovas und an viele Opfer von
Krankenmorden. Nun sollen drei weitere kleine Denkmäler dazukommen.

Kurzbiografien:

Maria Lehner wurde am 5. Mai 1895 in Burgberg bei Heidenheim geboren. Gemeinsam mit ihrem Mann Max Lehner und ihren drei Kindern lebte sie in der Tunnelstraße 14 in Augsburg. Mitte Dezember 1926 kommt es zu Streitigkeiten mit ihren Nachbarn, woraufhin sie in die psychiatrische Abteilung des Städtischen Krankenhauses eingewiesen wird. Wenig später erfolgt ihre Verlegung in die Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren, wo sie die Diagnose Schizophrenie bekommt. Maria ist leicht erregbar, führt Selbstgespräche und redet mit niemandem. Bis Ende 1932 arbeitet sie in der Wäscherei der Anstalt, dann verlegt man sie nach Irsee. 1938 wird sie von ihrem Ehemann auf dessen Antrag geschieden. Gemeinsam mit 71 weiteren Frauen wird Maria Lehner am 5. Juni 1941 nach Schloss Hartheim bei Linz transportiert. Gleich nach ihrer Ankunft wird sie dort im Rahmen der Aktion T4 vergast.

Karoline Müller wurde am 7. März 1907 in Augsburg geboren. Wie ihre Zwillingsschwester war sie gehörlos. Ab 1913 leben beide in der Taubstummenanstalt Dillingen. Karoline lernt dort das Lesen und Schreiben, kann aber keinen Beruf ausüben. Mit 20 Jahren kommt sie in die Pflegeanstalt Karlshof bei Lauterhofen. Im Februar 1941 wird sie in die Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren überwiesen. Ihre Diagnose lautet Schizophrenie. Ob bei ihr eine solche tatsächlich vorlag, ist nicht sicher. Am 8. August 1941 wird Karoline gemeinsam mit 142 weiteren Frauen nach Schloss Hartheim bei Linz transportiert. Nach ihrer Ankunft wird sie dort im Rahmen der Aktion T4 sofort vergast. Karolines letzter Wohnort in Augsburg befand sich in der Zimmermannstraße 20.

Wilhelmine Messer wurde am 6. Juni 1860 als Wilhelmine Stähle in Ensingen bei Vaihingen geboren. Mit 24 Jahren heiratet sie den Augsburger Bartholomäus Messer und hat mit ihm drei Kinder. Nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 1892 versucht sie, sich und ihre Kinder mit diversen Tätigkeiten über Wasser zu halten. Sie lebt mit ihrer Familie zuerst am Vorderen Lech 22, dann am Vorderen Lech 9. Nach einem Suizidversuch wird sie 1909 in die Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren eingeliefert und nach vier Monaten wieder entlassen. Ab Mitte 1935 verschlechtert sich ihr gesundheitlicher Zustand. Wegen Altersdemenz wird sie am 29. September 1935 abermals in die Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren gebracht und kommt drei Jahre später ins Elisabethenstift in Lauingen. Sie gilt als freundlich, fleißig und selbstständig. 1940 wird sie nach Günzburg verlegt, wo sie die Diagnose Schizophrenie bekommt. Anfang Januar 1944 erfolgt eine weitere Verlegung in die Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren, wo sie am 15. Januar 1944 nach einer systematischen Vernachlässigung mit Nahrungsentzug stirbt. Bei ihrem Tod wiegt sie nur noch 30 kg.

Kontakt: Initiativkreis Stolpersteine für Augsburg und Umgebung
www.stolpersteine-augsburg.de / V.i.S.d.P.: Thomas Hacker, Gutenbergstr. 15a, 86356 Neusäß

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